Sozialwissenschaftliche Theorien in der Ära der Spätmoderne

In der zeitgenössischen Theorie nimmt der Prozess der Individualisierung des Menschen einen großen Raum ein. Die Individualisierung wird als Prozess definiert, in dem der Wandel der sozialen Strukturen zu einem Wandel des Einzelnen führt. Die Rationalisierung, die Globalisierung und die steigende Differenzierung hat den Charakter des Individuums nachhaltig verändert. Traditionen geraten in der Zeit der Spätmoderne unter den Druck der Abschaffung oder grundlegenden Änderung.

Der Sozialstaat erschafft neue Armut, die Medizin erzeugt mit ihren Nebenwirkungen ganz neue Krankheitsbilder und der effiziente Kapitalismus erschafft die Massenarbeitslosigkeit. Durch all diese Umstände entstehen ganz neue Risiken für das Individuum mit denen sich die Sozialwissenschaft auseinandersetzen muss. Der Schub der Individualisierung ist gekennzeichnet durch die Bildung von ganz neuen sozialen Milieus, die mit der traditionellen Familie nicht mehr viel gemein haben. Und die auch nach Wunsch gewechselt werden können. Die Bindungen an bestimmte Berufe, Lebenspartner, Religionen oder Parteien werden nicht mehr für ein ganzes Leben gewählt sondern nur noch für eine kurze Phase. Die Grenzen zwischen den sozialen Schichten sind mehr durchlässig denn je. Der soziale Auf- oder Abstieg aus dem Herkunftsmilieu ist heute keine Ausnahme sondern eher die Regel.

Gesellschaftliche Strukturen und Institutionen werden aus der Logik des individuellen Handelns erklärt. Die Macht des Individuums scheint greifbar. Soziale Phänomene werden als direkte Folgen oder als Nebenfolgen der individuellen Handlungen gesehen. Der Individualismus wird zur wissenschaftlichen Methode erklärt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Menschen im Alltag die Handlungsalternative wählen, von der sie denken, dass der von ihnen angestrebte Zustand am ehesten damit verwirklicht werden kann. Sie gehen von der Annahme aus, dass sie die Wahrscheinlichkeit der Zukunft relativ genau berechnen können, aufgrund von als rational angesehen erworbenen Informationen.

Die sozialwissenschaftlichen Forschungen innerhalb des Sozialwesens

Die akademische „Denkfabrik“ der Sozialwissenschaftler verknüpft die Erfahrungen aus der Praxis vor Ort in der Sozialarbeit oder anderen sozialen Diensten mit den Ergebnissen aus ihrer Forschung. Innerhalb des Sozialwesen gehören Themen wie die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung, die Veränderung von Lebensverhältnissen, demographische Wandlungen, die psychosoziale Versorgung im Bereich der Kindheit, Jugend, Familie und Senioren, Bildung und Migration zu den Schwerpunkten der Forschenden und Lehrenden der Sozialwissenschaften.
Dabei profitiert das Sozialwesen von den Erkenntnissen der Forschung, wie auch die Forschung von den praktischen Erfahrungen der in sozialen Bereichen Berufstätigen ihren Nutzen zieht.

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